Das heutige Deutsch erlaubt Ausdrücke wie Geld versaufen und Fett wegtrainieren, die ein Objekt aufweisen, das sich in Abwesenheit der Verbpartikel durch das Verb nicht selegieren ließe. Komposita dieser Art sind insofern resultativ, als sie einen mittelbar bewirkten Orts- bzw. Zustandswechsels des Objekts ausdrücken; dabei gibt das Grundverb das den Wechsel herbeiführende Ereignis an — das das Objekt jedoch nicht unmittelbar affiziert —, die Verbpartikel den resultierenden Zustand. Tatsächlich kommen Konstruktionen dieser Art auch in der antiken Indogermania vor, bezeichnenderweise im Indoiranischen, Griechischen und Lateinischen, waren bislang jedoch noch nie Gegenstand einer umfassenden Untersuchung geworden; die Arbeit strebt die Schließung dieser Lücke an.
Das heutige Deutsch erlaubt Ausdrücke wie Geld versaufen, sich eine Stelle erkämpfen, sich einen Bauch anessen oder Fett wegtrainieren; so verschieden sie auch aussehen mögen, ist diesen Ausdrücken eines gemeinsam: Sie weisen ein Objekt auf, das sich in Abwesenheit der Verbpartikel durch das Verb nicht selegieren ließe (tatsächlich muten Sätze wie *Geld saufen, *eine Stelle kämpfen, *einen Bauch essen, *Fett trainieren inakzeptabel an). Komposita dieser Art sind insofern resultativ, als sie einen mittelbar bewirkten Orts- bzw. Zustandswechsel des Objekts ausdrücken: Das Grundverb drückt lediglich das Ereignis aus, infolge dessen das Objekt, ohne unmittelbar affiziert zu werden, den Orts- bzw. Zustandswechsel erfährt; den Nachzustand hingegen gibt die Verbpartikel an, die eigentliche Trägerin der Gesamtbedeutung des Verbalausdrucks. Tatsächlich kommen Konstruktionen dieser Art auch in der antiken Indogermania vor, bezeichnenderweise im Indoiranischen und in den klassischen Sprachen Europas, waren bislang jedoch noch nie Gegenstand einer umfassenden Untersuchung geworden. Das Werk strebt die Schließung dieser Lücke an, indem es sich dieser bislang kaum beachteten besonderen Partikelverbkonstruktion im Indoiranischen, Griechischen und Lateinischen annimmt.
Was auf den ersten Blick als randständige Eigenheit erscheinen könnte, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Phänomen breiterer typologischer Relevanz: Die Konstruktion ist auf — innerhalb Talmys berühmter Typologie — sogenannte satellite-framed-Sprachen beschränkt und fehlt weitgehend in verb-framed-Sprachen wie den romanischen. Sie ist somit ein wichtiges Merkmal für das Verständnis sprachtypologischer Unterschiede und ihrer historischen Entwicklung.
Mit vedischem ápa √yaj ‚(Böses) wegopfern‘, d.h. ‚durch Opfer aus der Welt schaffen‘, als Paradebeispiel bietet die Arbeit eine umfassende Untersuchung der Art des Auftretens dieses Typus im Indoiranischen sowie in den klassischen Sprachen Europas. Einem kritischen Überblick über die bisher gemachten Aussagen über ápa-√yaj-artige Konstruktionen folgt eine detaillierte, nach Typen gegliederte Auswertung einschlägiger Belegstellen in den besagten Sprachen. Ein diachroner Ausblick rundet die Arbeit ab und skizziert mögliche Entwicklungspfade dieser Konstruktion in den verschiedenen Sprachen.
Als Pionierstudie zu einem bislang kaum behandelten Phänomen richtet sich das Werk nicht nur an die Indogermanistik im engeren Sinne, sondern eröffnet auch der allgemeinen Sprachwissenschaft sowie benachbarten philologischen Disziplinen wie der Indologie, Iranistik, Gräzistik und Latinistik neue Perspektiven.
Thiago Mendes Venturott wurde 1996 in São José dos Campos, Brasilien, geboren. Nach dem Studium der Romanistik (Portugiesisch), klassischen Philologie (Griechisch) und historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft an den Universitäten São Paulo (2014–2018) und Köln (2019–2021) wurde er 2025 an der Universität Würzburg promoviert. Vom November 2021 bis Mai 2023 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Würzburger Altertumswissenschaftlichen Zentrum (WAZ). Nach einjährigem Wirken als Projektmitarbeiter am Würzburger Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaft (Januar–Dezember 2022) ist er seit Januar 2023 wissenschaftlicher Assistent ebendort.
https://www.phil.uni-wuerzburg.de/vgsp/personal/thiago-mendes-venturott/