Am 13. Dezember 1624 schenkte der Frankfurter Stadtarzt und Mathematiker Johann Hartmann Beyer der dortigen Stadtbibliothek seine Büchersammlung. Mit fast 2900 Drucken und Handschriften in 1210 Bänden war sie die größte private Bibliothek der Reichsstadt in der frühen Neuzeit; sie spiegelt sowohl die damaligen politischen und reformatorischen Auseinandersetzungen wie auch die medizinischen und mathematisch-astronomischen Wissensdiskurse der Zeit. Zum 400jährigen Jubiläum der Schenkung wird das von Beyer selbst erstellte Übergabeinventar kritisch ediert; zusammen mit den etwa 280 erhaltenen Bänden in der heutigen Universitätsbibliothek Fankfurt am Main kann so der ehemalige Bestand der Büchersammlung und ihre Erwerbschronologie, aber auch die Rolle des Frankfurter Büchermarkts und des wissenschaftlichen Netzwerks Beyers rekonstruiert werden.
Am 13. Dezember 1624 schenkte der Frankfurter Stadtarzt und Mathematiker Johann Hartmann Beyer der dortigen Stadtbibliothek seine Büchersammlung. Mit fast 2900 Drucken und Handschriften in 1210 Bänden war sie die größte private Bibliothek der Reichsstadt in der frühen Neuzeit. Der Katalog, der von Beyer anlässlich der Schenkung selbst erstellt worden war, ist heute noch in der Nachfolgeinstitution der ehemaligen Stadtbibliothek, der Frankfurter Universitätsbibliothek, erhalten und wird hier in einer kritischen Edition vorgelegt. Zusammen mit den 280 Bänden aus Beyers Büchersammlung, welche den Weltkrieg überlebten und erst neuerdings in der Universitätsbibliothek wiederentdeckt worden sind, kann so der Bestand der Bibliothek sowie die Chronologie ihres Aufbaus rekonstruiert werden. Dabei wird das Augenmerk insbesondere auf die Möglichkeiten des Frankfurter Buchmarkts gelegt, mit dessen Druckern Beyer und sein Vater, der Frankfurter Prädikant Hartmann Beyer, der seit den 1530er Jahren den Grundstock der späteren Büchersammlung aufgebaut hatte, durch eigene wissenschaftliche Tätigkeit und Herausgeberschaft eng verbunden waren.
Daneben waren aber auch die Lehrer, Studienfreunde und Kollegen der beiden Beyers mit Widmungsexemplaren nicht unmaßgeblich an dem Aufbau der Sammlung beteiligt. Hartmann Beyer, der von 1534 bis 1546 in Wittenberg bei Martin Luther und Philipp Melanchthon die Artes liberales und Theologie studiert hatte, ehe er auf den Wunsch Luthers hin das Prädikantenamt in Frankfurt antrat, hatte von diesen, aber auch von seinen Frankfurter Lehrern Wilhelm Nesen und Jacob Micyllus sowie Studienfreunden wie Adolf von Glauburg zahlreiche Bücherschenkungen erhalten, wobei es sich nicht nur um reformatorische Schriften, sondern auch um humanistische und mathematisch-astronomische Werke handelte, für die sich Hartmann Beyer in besonderem Maße interessierte. Johann Hartmann Beyer wiederum, der von 1579 bis 1588 ein Studium der Artes in Straßburg und der Medizin in Tübingen, Padua und Siena absolviert hatte, besaß Vorlesungsmitschriften seiner dortigen Lehrer, aber auch Widmungsexemplare von diesen wie von Freunden und Kollegen, worunter besonders Andreas Libavius zu nennen ist, mit dem ihm das Interesse an alchemischen Verfahren verband. Wie bei seinem Vater galt die wissenschaftliche Liebe Beyers allerdings auch eher der Mathematik, in der er selbst mit eigenen Werken hervorgetreten ist und über einzelne Probleme mit den bedeutendsten Mathematikern der Zeit, darunter Johannes Kepler, korrespondiert hatte.
Die Büchersammlung Beyers war geprägt von der theologischen bzw. medizinischen Profession des Vaters bzw. des Sohnes; beide Bereiche machten insgesamt etwa zwei Drittel des ehemaligen Bestandes aus, wobei sie in ihrer Zusammenstzung einerseits den gnesiolutheranischen Standpunkt des Vaters und andererseits die humanistisch geprägte Medizin und Pharmazeutik des späten 16. Jahrhunderts widerspiegeln. Daneben hatten aber auch die astronomischen und mathematischen Werke einen großen Anteil, so dass der Katalog und die Rekonstruktion der Büchersammlung einen repräsentativen Einblick in die zentralen Wissensdiskurse und -netzwerke der Zeit erlauben.
Prof. Dr. Frank Fürbeth, geb. 1954, Studium der Philosophie und Germanistik in Saarbrücken, Köln und Frankfurt, Gastdozenturen und Vertretungsprofessuren in Lublin, Bonn, Leipzig und Essen, seit 2008 an der Goethe-Universität Frankfurt a. M., seit 2022 im Ruhestand. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind die Geschichte der Privatbibliotheken im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit sowie die Wissensgeschichte, insbesondere der Medizin, der Kriegstheorie, der Magie und der Astrologie im Mittelalter.