Der Band erschließt unter Beteiligung vieler ExpertenInnen mit den Beständen des Museo Gregoriano Profano eine der großen Sammlungen römischer Architekturglieder in Rom. Das geschieht mit Blick auf 1) Sammeltätigkeit und Ausstellungspraxis des Vatikans in der ersten Hälfte des 19 Jh., einer Zeit, in der ornamentierte Bauglieder erstmals als Zeugnisse mit eigener historischer Aussagekraft ernstgenommen wurden, 2) die Kontexte der Bauten Roms und Latiums und 3) auf bislang marginalisierte Baugliedtypen. Damit ergeben sich überraschende neue Einblicke auf die Bauten und die Praxis der Denkmalpflege im Kirchenstaat.
Das Museo Gregoriano Profano wurde 1844 gegründet, um die bei Grabungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefundenen Antiken den Besuchern Roms zugänglich zu machen. Es war bis 1963 in dem Lateranspalast nördlich der Basilika von S. Giovanni untergebracht und wurde 1970 in einem neu errichteten Trakt in den Vatikanischen Museen der Öffentlichkeit präsentiert. Seit 1991 werden in Zusammenarbeit zwischen der Direktion der Vatikanischen Museen und dem Forschungsarchiv für Antike Plastik an der Universität Köln die Bestände systematisch über wissenschaftliche Bildkataloge erschlossen, wobei die figürlichen Monumente zunächst Vorrang besaßen, denn schon der 1867 von Otto Benndorf und Rudolf Schöne verfasste Katalog konzentrierte sich auf die antiken Bildwerke – also ohne Architektur – und blieb überdies ohne Bilder.
Der vorliegende Band steht zwar in diesen Traditionen, erschließt aber als Neuerung mit den Beständen des Museo Gregoriano Profano umfassend eine der großen Sammlungen römischer Architekturglieder in Rom. Das geschieht in drei Kapiteln , die jeweils eigens diskutierte Resultate enthalten: 1) wird dabei ein detaillierter Blick auf die Sammeltätigkeit und Ausstellungspraxis des Vatikans insbesondere in der ersten Hälfte des 19 Jh. geworfen; eine Zeit, in welcher ornamentierte Bauglieder erstmals als Zeugnisse mit eigener historischer Aussagekraft erkannt und ernstgenommen wurden; 2) wurden im Rahmen der Arbeiten bislang weitgehend unbekannte Bauglieder 120 der bisweilen sehr prominenten Monumente Roms und Latiums zugewiesen. Dazu zählen das Augustusforum, das Pompeiustheater und das Hadrianeum in Rom genauso wie die Kaiservillen in Castelgandolfo oder Tivoli, aber auch die ausgedehnten päpstlichen Grabungen in Ostia oder bisher unbekannte Monumente wie ein Grabbau an der Via Nettunense. Die Stücke erlauben gelegentlich neue Rekonstruktionen oder ergänzen unser Wissen zur Geschichte und Rezeption der Monumente; 3) Die Dokumentation des gesamten Bestands lenkte den Blick zwangsläufig auf bislang marginalisierte Baugliedtypen wie Wandkonsolen mit teilweise sehr originellen Lösungen, Aktrotere oder Decken, die im vorliegenden Band erstmals in größerer Zahl zusammenhängend vorgelegt und ausgewertet werden. Das brachte auch ungewöhnliche Bauglieder zum Vorschein, etwas Figuralkapitelle mit Pegasusprotomen oder Gesimse mit Wasserverteilern. Alle diese disparaten Bauteile erlauben vielfältige Einblicke sowohl in die Entwicklung der römischen Architektur als auch in die Aktivitäten der Denkmalpflege im Kirchenstaat.
Henner von Hesberg studierte Klassische Archäologie, Alte Geschichte, Altphilologie und Kunstgeschichte in Bonn, Würzburg und Marburg, wo er 1975 promoviert wurde. Nach Professuren in München und Köln war er ab 2006 als Direktor am Deutschen Archäologischen Institut in Rom tätig, wurde 2014 entpflichtet und lebt seitdem in Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der antiken Architektur; mit Einzelschriften zur hellenistischen und römischen Architektur; hinzu kommen verschiedene, zusammen mit BauforscherInnen durchgeführte Feldprojekte zu nennen (Apollonia, Theater; Castel Gandolfo, Villa des Domitian, Theater und Kryptoportikus; Cori, Dioskurentempel; Durres, Amphitheater; Minturnae, Theater; Rom, Mausoleum des Augustus und die Nekropole unter St. Peter; Rom, Tempel der Matidia). Aus der Arbeit in Köln zusammen mit dem Forschungsarchiv antiker Plastik sind mit anderen KollegInnen Publikationen verschiedener englischer Privatsammlungen (Holkham Hall, Chatsworth, Hever Castle) hervorgegangen. Weitere Themen gelten der Kunst- und Kulturgeschichte des Hellenismus.
Johannes Lipps bekleidet seit 2019 einen Lehrstuhl für Klassische Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und ist gleichzeitig Fellow am dortigen Gutenberg Forschungskolleg. Er studierte Klassische Archäologie, Alte Geschichte sowie Papyrologie, Epigraphik und Numismatik der Antike an den Universitäten Marburg, RomaTre, Bonn und Köln, wo er 2008 mit einer Arbeit zur Basilica Aemilia am Forum Romanum promoviert wurde. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der antiken Architektur, Skulptur sowie Urbanistik und konzentrieren sich besonders auf Rom, Pompeji und die römischen Provinzen von der Zeit der Römischen Republik bis in die Spätantike. Zuletzt veröffentlichte er ein Buch zur „Stuckdecke des Oecus Tetrastylos im sog. Augustushaus im Kontext antiker Deckenverzierungen (Rahden/Westf. 2018)" und edierte u.a. den Band „Die römischen Steindenkmäler in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (Ubstadt-Weiher 2021)".